Bodymaps der Witwen zurück in Südafrika

Mit einer Ausstellung der Bodymaps, die die Witwen von Marikana als Teil ihrer Traumabewältigung angefertigt hatten, begann für die KASA und damit auch für die Plough back the fruits Kampagne die Auseinandersetzung mit dem Massaker von Marikana. 2016 dann kam eine Delegation der Witwen nach Europa, um auf er Hauptversammlung von BASF als einem der größten Abnehmer des in Marikana geförderten Platins über ihre Situation und über ihre Forderungen nach Wiedergutmachung zu sprechen. Die Speakers Tour begann in Wien, wo die Originale der Bodymaps im Gewerkschaftshaus ausgestellt wurden.

Seither lagern die Kunstwerke, die bei einem von Nomarussia Bonase und Judy Seidmann organisierten Workshop während der Anhörung der Farlam-Kommission entstanden waren, in Österreich. Zum 10. Jahrestag des Massakers von Marikana ergab sich endlich eine Möglichkeit, die Bilder zurück nach Südafrika zu bringen und sie dort auszustellen.

Zunächst erfahren diese Bilder eine Anerkennung als das, was sie sind: Kunstwerke. Sie sind Teil einer Ausstellung – wieder in Wien – und zwar dieses Mal im Künstlerhaus. Die Ausstellung „Whinteness as property. Rassismus und Eigentumsverhältnisse“ will die „affektive Wirkung von Besitz in den Blick nehmen, ohne Besitzlosigkeit zu romantisieren. Vielmehr wird künstlerische Praxis zum Experimentierfeld, in dem der vielschichtige Charakter von Besitz sichtbar wird. Wir sind oft unvermeidbar nicht im Besitz unserer selbst und gleichzeitig besitzergreifend anderen gegenüber.“ So steht es in der offiziellen Beschreibung der Ausstellung. Der perfekte Platz für die farbenprächtigen, großformatigen Bilder, deren intensive Farbgebung sich erst auf den zweiten Blick den Betrachtenden als das entfaltet, was sie wirklich darstellen: Blut, Gewalt, Trauma.

Dann endlich reisen die Originale zurück nach Südafrika und werden beim diesjährigen National Arts Festival in Makhanda (früher Grahamstown) ausgestellt. Dort findet die Eröffnung unter Anwesenheit einer Delegation der Witwen statt. In Wien waren sie digital zugeschaltet.

Zodwa Skeyi Tutani, die die Ausstellung kuratiert hat, sagt, dass "die Ausstellung der Kunst einiger Witwen widerspiegelt, was aus ihrem Leben geworden ist… Was in Südafrika zurückbleibt, ist die Vorstellung von den ständigen Massakern, den ständigen Angriffen auf schwarze Körper, aber für sie kommt noch die Vorstellung von der doppelten Unterdrückung als Frau hinzu. Und dann auch noch Mutter und Witwe zu sein und diejenige zu sein, die weitermacht. Sie müssen die Last dessen tragen, was zurückbleibt."

Diese Last, so Judy Seidmann während der Buchpräsentation „Marikana – eine offene Wunde“, ist heute noch schwerer als zu Beginn des Traumas, waren da doch noch Hoffnungen, dass sie nicht alleine sein werden mit der Verantwortung für Haus, Hof und Kinder. Die Ernüchterung, dass sie trotz einer Arbeitsstelle bei jetzt Sibanye Stillwater weniger Familieneinkommen haben als vorher, weil sie weniger verdienen als ihre Ehemänner es taten und weil ihre eigene Arbeitskraft auf den Feldern ihrer Herkunftsregion fehlt, kommt zu dem Verlust und dem Trauma hinzu.

Es bleibt die Gewissheit, dass die Arbeit von Khulumani mit den Witwen und die Zusammenarbeit mit der Plough back the fruits Kampagne die Frauen stärker gemacht hat, stark genug, um den Kampf für gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen weiterzuführen.

Offen bleibt, was jetzt nach dem Festival mit den Bildern geschieht. Es gibt ein bekundetes Interesse vom Constitutional Hill in Johannesburg, doch dort hätten die Bilder keinen dauerhaften Platz. Sie würden fürs erste eingelagert werden. In Makhanda sprachen die Witwen davon, dass es einen eigenen Ort der Erinnerung braucht, in dem die Bilder eine Heimat finden könnten. Doch der muss erst noch gebaut werden.