Prof. Dr. Andrea Fröchtling – Freundin und Kollegin – Ein Nachruf

Kurz vor Weihnachten ist Drea gestorben – unerwartet und doch vorhersehbar hat sie den Kampf gegen ihre Krankheit verloren. Bis zum Schluss war sie aktiv, nahm noch Im November an unserer großen internationalen Tagung anlässlich des 90. Geburtstag von Desmond Tutu – der wenige Tage nach ihr starb – teil.

Beide, Tutu und Drea, haben unsere Arbeit geprägt, durch ihre Offenheit, durch klare Worte und die enorme Ausstrahlung von Liebe und Hoffnung, einer tiefen Theologie, die gleichzeitig lebenspraktisch ist.

Mit Drea verlieren wir eine Kollegin, die mit Rat und Tat zur Seite stand, wenn wir sie brauchten, die gute Ideen und Visionen erarbeitete, in denen sie immer wieder die KASA mitdachte und uns integrierte. Wir sind sehr dankbar für diese Zusammenarbeit, für ihre Unterstützung, auch als Fördermitglied, für ihre Freundschaft und für ihre Solidarität.

Das erste Mal traf ich Drea 2008 in Südafrika auf meiner ersten Dienstreise als KASA-Koordinatorin. Elke Deuschle begleitete mich als Vertreterin des Geschäftsführenden Ausschusses, in dem sie für Aktion Bundesschluss saß. Drea arbeitete als Theologische Referentin in der Zentraldiözese der Evangelical Lutheran Church in Southern Africa in Soweto. Wir hatten uns in Johannesburg getroffen und Drea bat uns, sie mit unserem Mietwagen zurück nach Soweto zu bringen. Mir war mulmig zumute – ich fahre sowieso nicht so gerne quer durch Johannesburg und schon gar nicht nachts!

Doch Drea konnte man ja nichts abschlagen, und so machte ich etwas, was ich mir selbst nie zugetraut hätte, wovon aber Drea überzeugt war, dass ich das wunderbar meistern würde. Wir fuhren aus Soweto zurück, verfuhren uns heillos in Hillbrow und landete wohlbehalten in unserer Unterkunft.

Diese Geschichte steht für mich symbolisch dafür, wie ich Drea wahrgenommen habe: sie sah in Menschen  mehr Fähigkeiten, Talente, Gaben, die es zu entdecken und zu nutzen gilt als sie sich selbst zutrauen würden Deswegen konnte sie uns mit ihrer offenen, ja im positiven Sinne unverfrorenen Art  mit Anfragen oder Bitten herausgefordert. Und wir sind dadurch über uns hinausgewachsen.

Partnerschaftsarbeit war ihr zentrales Anliegen. Früh hat sie sich mit der ehemals zwangsumgesiedelten Gemeinde in Mogopa auseinandergesetzt. Auch ich habe diese Gemeinde zunächst in meiner ehrenamtlichen Funktion der Heidelberger Gemeinde und dann offiziell als Koordinatorin der KASA   auch nach der Auflösung der Aktion Bundesschluss weiter begleitet. In der Arbeit mit der Gemeinde liegt auch die Verbindung zu Wolfram Kistner, dessen „out of the Camp“-Theologie Drea nach seinem Tod weiter verkörpert hat.

Es lag daher nahe, dass unser erstes gemeinsames Projekt die Veranstaltung anlässlich der Präsentation der Texte von Wolfram Kistner unter dem Titel „Gerechtigkeit und Versöhnung“ war. Die engste Zusammenarbeit hatten wir während ihrer Zeit als Südafrika-Referentin im Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen ELM. In dieser Funktion war sie auch für die Partnerschaften zuständig und hat die KASA mit einbezogen in Veranstaltungen, hat unsere Ausstellungen in Hermannsburg und die Trägerschaft des ELM in der KASA protegiert.

Drea war Netzwerkerin. Immer wieder hat sie etwa die KASA in ihre Pläne eingebaut, an uns gedacht, uns vermittelt, stand mit Rat und Tat zur Seite. Und mit Kontakten natürlich. Und dies auch in Momenten, in denen es ihr schlecht ging.

Ich habe Drea nie bewusst als theoretische, wissenschaftlich arbeitende Theologin wahrgenommen, sie war für mich immer Aktivistin, Südafrika-Kennerin, Praktikerin, die zwar aus einer fundierten Theologie heraus agiert und mitten im Leben, also „out of the camp“ steht. Sie ist, auch als sie später Professorin an der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg wurde, der KASA treu geblieben, als Freundin und als Förderin der  Arbeit zu sozio-ökonomischer Gerechtigkeit im Südlichen Afrika und hier. Ich bin dankbar für die Freundschaft mit ihr.

Hamba kahle, Drea