Hamba Kahle Nelson Mandela

Es gibt wohl kaum eine Persönlichkeit des 21. Jahrhunderts, die so bekannt ist wie Nelson Mandela und gleichzeitig in der öffentlichen Wahrnehmung einen derartigen Wandel vollzogen hat. Für Margret Thatcher war und blieb er der Inbegriff eines Terroristen; für den Befreiungskampf in Südafrika war er das Symbol für Widerstand gegen ein totalitäres Regime, das vor nichts zurückschreckte. Als er gemeinsam mit Willem de Klerk den Friedensnobelpreis entgegennahm, stand sein Land immer noch am Rande eines Bürgerkriegs, den er durch sein Verhandlungsgeschick und seine Vision für ein anderes Südafrika verhindern konnte – zu einem hohen Preis, wie wir heute wissen.

Er war das leuchtende Vorbild für Frieden und Versöhnung, nicht nur für Südafrika. Und besonders ein Vorbild für all die Präsidenten, die nach der Befreiung ihrer Länder von kolonialen und rassistischen Systemen an der Macht festhalten und allzu oft den Willen ihrer Bevölkerung missachten.
Nelson Mandela starb am 5. Dezember im Alter von 95 Jahren nach langer Krankheit.

Wer und wie war Nelson Mandela als Mensch?

In dem Dokumentarfilm „Mugabe – what happened?“ zeigt der Regisseur Simon Bright eine Szene bei Mugabes Geburtstag, an der der neu gewählte südafrikanische Präsident ebenfalls teilnimmt. Er sitzt an der Tafel und riecht selbstvergessen und scheinbar unbeobachtet eine Plastikblume von der Tischdekoration und legt sie irritiert wieder weg, weil sie nicht duftet. Der Mann, der 27 Jahre seines Lebens inhaftiert war, hat einen anderen Blick auf die sich neu entfaltende Realität um ihn herum.

Er tanzte gern, war amüsant und besaß eine Ausstrahlung, die man kaum fassen kann. Man meint, sie selbst in der Gefängniszelle von Robben Island noch spüren zu können. In den Medien war oft nur der Staatsmann, der Visionär und Charismatiker zu sehen, nur am Rande wurde der Vater oder einfach nur der Mensch sichtbar – vielleicht, um die Ikone, das alles überstrahlende Vorbild nicht zu gefährden. Umso erschreckender, wie er in den letzten Jahren, in denen er krank und gebrechlich wurde, sowohl von der eigenen Familie als auch von den Politikern medial missbraucht wurde. Jeder wollte sich mit diesem Symbol für ein neues Südafrika schmücken, oft um davon abzulenken, wie weit er oder sie selbst von diesen Idealen entfernt agiert.

Mandela darf gehen

Endlich nun lässt Südafrika seinen großen Mann ziehen. Noch vor wenigen Jahren war die Angst, dass die Nachricht über seinen Tod einen Aufstand hervorrufen könnte, groß. Jetzt sind sich die SüdafrikanerInnen darin einig, dass er seinen Dienst an der Nation getan und ein Recht hat, in Würde zu gehen. Damit sein Lebenswerk, seine Ideale, das, wofür er sein Leben geopfert hat, wird nicht mit ihm stirbt, bedarf es eines Engagements dafür. Nur so kann ihm Südafrika die Ehre erweisen, die er verdient.


True leadership – the sort of visionary leadership that Mandela is famed for – leaves a legacythat outlasts its originator's mortal flesh. It bequeaths an idea that can live on without him orher, an idea that will take root and flower despite the intense and sometimes ugly obstaclesthrown at it.
Verashni Pillay, Mail & Guardian Online