Initiatorin des Früchte-Boykotts stirbt im Alter von 95 Jahren

Wir trauern um Hildegard Zumach. Mit ihr ist am 15. Dezember 2021 eine weitere Ikone des Anti-Apartheid-Kampfes verstorben.

Hildegard Zumach war von 1972 bis 1992 Generalsekretärin der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland. 1978 initiierte sie die Kampagne Kauft keine Früchte der Apartheid[1], „die unzählige Frauen und Männer hierzulande zu unerschrockenem kirchenpolitischem Handeln befähigt hat, aber auch manchem Kirchenmann den Angstschweiß und Zornesfalten ins Gesicht trieb,“ so Bischöfin i.R. Bärbel Wartenberg-Potter in ihrer Traueransprache.[2] Anfang der 1970er Jahre war sie an der Gründung des Deutschen Komitees des Weltgebetstages der Frauen beteiligt und saß diesem bis 1982 vor. Beide Bereiche haben maßgeblich die Gründung und Arbeit der KASA beeinflusst.

Mit einer Aktion wollten die Boykott-Frauen eine breite Öffentlichkeit auf die Unrechtsituation in Südafrika aufmerksam. Anlass dieser Aktion war 10977 die Betroffenheit über den Bann von 18 südafrikanischen Organisationen, die mit gewaltfreien Mitten gegen Diskriminierung und Verfolgung kämpften. Die Boykottaktion hat wie kaum eine andere Aktion die Diskussion um Gewalt, Rassismus, Apartheid und politisches Engagement angeregt und wurde durch die demokratische Regierung Südafrikas explizit gewürdigt.

"Hildegard Zumach war eine Frau mit aufrechtem Gang! So habe ich sie erlebt. So, stelle ich mir vor, ist sie auch gestorben. Uneitel, gerade heraus, mit mutigem Herzen. Lebenssatt... Sie hat sich nicht gescheut, in die Strukturen der Macht einzutreten und Macht auszuüben. Oft zugunsten von Frauen, auch ich habe davon reichlich profitiert,“ so beschreibt sie Warenberg-Potter.


[1] Siehe dazu Stelck, Edda: Politik mit dem Einkaufskorb. Die Boykott-Aktion der evangelischen Frauen gegen Apartheid. Wuppertal, 1980

[2]https://www.benkhumalo-seegelken.de/newsletter/4875-hildegard-zumach-12-09-1926-15-12-2021/