Lala Ngoxolo George Bizos. Südafrika nimmt Abschied von Menschenrechtsanwalt und Freund Nelson Mandelas

Heute wird in Südafrika George Bizos im Westpark Cemetery in Randburg begraben. Er starb vor sechs Tagen im Alter von 92 Jahren.

Geboren wurde er in Griechenland, von wo aus seine Familie nach Südafrika auswanderte. Zu diesem Zeitpunkt war er 13 Jahre alt. Bekannt wurde er als einer der Anwälte, die Nelson Mandela im Hochverratsprozess 1956 vertreten hatten. Er vertrat auch Nelson Mandela und die anderen Freiheitskämpfer im Rivonia-Prozess, am Ende dessen Mandela und ein Großteil der Führungsriege des ANC zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt wurden. Ihnen wurde vorgeworfen, einen Umsturz des Apartheidregimes geplant zu haben. Mandela und Bizos hatten sich während des Jurastudiums in Johannesburg kennengelernt. In seiner Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“ erzählt Mandela davon, wie er beschlossen hatte, sich im Rivonia-Prozess nicht im klassischen Sinne verteidigen zu lassen, sondern den Prozess für eine moralische Anklage des Apartheidregimes zu nutzen. Die Rede, die Mandela an dem Tag im Gerichtssaal hielt, gehört mittlerweile zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts. Der Abschluss hatte es in sich: „Ich habe mein Leben diesem Kampf des afrikanischen Volkes gewidmet. Ich habe gegen die Vorherrschaft der Weißen gekämpft, und ich habe gegen die Vorherrschaft der Schwarzen gekämpft. Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft hochgehalten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammenleben werden. Es ist ein Ideal, für das ich zu leben und verwirklicht zu sehen hoffe. Aber, mein Herr, wenn es sein muss, ist es ein Ideal, für das ich bereit bin zu sterben.“ Es wurde von Mandela selbst bestätigt, dass dieses „if it needs to be“ in diesen abschließenden Worten auf das Drängen von Bizos zurückzuführen war, der dadurch Mandela und seinen Mitgefangenen, die selbst mit einer Todesstrafe rechneten, ermutigen wollte, sich eine kleine Chance auf Leben zu bewahren. Es sollte auf die Verantwortung des Apartheidstaates hinweisen, sollten am Ende die Angeklagten zu Tod verurteilt werden.

Auch nach diesen bewegenden Prozessen der 1950er und 1960er Jahre erarbeitete sich George Bizos ein großes Ansehen als Anwalt der kleinen Leute. Besonders in Erinnerung bleibt sein Engagement für die Familien der Opfer des Apartheidstaates, die er und sein Team bei der Wahrheits- und Versöhnungskommission vertrat. Er beteiligte sich auch am Entwurf der südafrikanischen Verfassung, lehnte politische Ämter ab, um als Anwalt weiter arbeiten zu können. Das KASA-Team hatte im April 2015 die Gelegenheit während einer Sitzung der Farlam-Kommission zum Massaker von Marikana mit ihm ins Gespräch zu kommen. Auch für die Opfer dieses ersten großen Massakers in der Postapartheidära war er sehr engagiert. Es war sein Anliegen, dass die Regierung die Familien entschädigt und die Verantwortlichen auf allen Ebenen zur Rechenschaft gezogen werden. Diesem Kampf bleiben viele südafrikanische Anwält*innen verpflichtet, die er im Laufe seiner langen Karriere positiv beeinflusst hat.