Sam Nzima: ein Fotojournalist, der Geschichte schrieb

Mit 83 Jahren ist Sam Nzima am Samstag, den 12. Mai 2018 in einem Krankenhaus in Mbombela im Nordosten Südafrikas gestorben. Auch wenn kaum einer hierzulande seinen Namen kennt, so hat doch jedeR sein legendärstes Foto gesehen: Der 13-jährige Gymnasialschüler Hector Pieterson wird – von der Polizei bei einem Schülerprotest tödlich verletzt – von seinem Mitschüler Mbuyisa Makhubu weggetragen, begleitet von seiner aufgebrachten Schwester Antoinette Sithole. Mit diesem Bild hat er die Realität der Apartheid festgehalten und damit ein Symbol für die Brutalität des Regimes geschaffen. Der ganzen Welt hat er mit diesem Foto vor Augen geführt und dokumentiert, wie das rassistische weiße Regime in Südafrika die schwarze Bevölkerung unterdrückt hat. 

Der Protest beim Schüleraufstand in Soweto im Juni 1976 richtete sich vor allem gegen die Anordnung, dass schwarze SchülerInnen und StudentInnen in Afrikaans unterrichtet werden sollten, der Sprache der weißen Minderheitsregierung, sowie für bessere Bildung. Mindestens 150 Menschen, darunter sehr viele Jugendliche, hat der Aufstand das Leben gekostet. „Nzima zeigte mit diesem Foto, dass die Apartheid-Regierung nicht einmal davor zurückschreckte, Kinder zu erschießen,“ so der Parlamentarier Moloto Mothapo. Für Nzima bedeutete dieses berühmte Foto das Ende seine Karriere, denn das Fotografieren von Konflikten mit der Polizei stand unter Strafe. Dass er damit sein Leben riskierte, war ihm bewusst. Er ließ den Film in seiner Socke verschwinden, bevor die Sicherheitskräfte ihn dazu aufforderten, den Film abzugeben, wie er später sagte.

Zunächst nur in der lokalen Presse veröffentlicht, wurde das Foto schließlich weltweit auch zum Symbol für den Widerstand gegen das Apartheid Regime. Da Nzima fürchtete, selbst von den Sicherheitskräften getötet zu werden, verließ er Johannesburg und kündigte schließlich seinen Job bei der Zeitung The World, um in seinen Heimatort Lilydale, Bushbuckridge (Transvaal, heute Provinz Mpumalanga) zurück zu kehren. Dort verbrachte der Fotojournalist 19 Monate unter Hausarrest. Seinen Beruf - er brachte sich das Fotografieren im Wesentlichen selbst bei - konnte er in Südafrika bis zum Ende der Apartheid 1994 nicht mehr ausüben. 

1934 als Sohn eines Landarbeiters geboren, wuchs er auf einer weißen Farm in der Nähe des Krüger-Nationalparks auf. Wie eine Kamera funktioniert, zeigte ihm ein Lehrer. Mit einer Kodak Box fotografierte er Touristen und verkaufte ihnen die Aufnahmen. Um der Farmarbeit zu entgehen, wozu der Arbeitsvertrag seines Vaters ihn verpflichtet hätte, ging er nach Johannesburg und schlug sich mit diversen Jobs durch, besuchte die Mittelschule und ließ sich von den Arbeiten des Fotojournalisten Allister Sparks inspirieren. 
Nzima schickte Fotos und Reiseberichte an die Tageszeitung The World, die im Wesentlichen von der schwarzen Mehrheit gelesen wurde, von der er 1968 schließlich fest angestellt wurde.

Das Copyright für sein legendäres Foto erhielt er erst nach einem langen Rechtsstreit 1998. Das Time Magazine zählt das Foto zu den 100 einflussreichsten Bildern, die je geschossen wurden. Und Nzima erhielt 2011 den Ikhamanga-Orden in Bronze für herausragende Leistungen in Bildender Kunst, Kultur, Literatur, Musik, Journalismus und Sport, der seit 2003 jährlich vom südafrikanischen Präsidenten verliehen wird.

Präsident Cyril Ramaphosa würdigte Nzima mit den Worten: „Die Saat des internationalen Widerstands, der am Ende ein rassistisches System stürzte, wurde von einem Foto gepflanzt.“

Nzima hat den Mut gehabt, die Kamera als friedliche Waffe einzusetzen - zum Einfangen historischer Momente und zur Demonstration dessen, was das Apartheid Regime stets verleugnet, verdreht oder versteckt hat: es war ein wichtiger Beitrag zum Kampf gegen das repressive Regime, das letztendlich Freiheit und Demokratie gebracht hat. 

Quellen