Unruhen und Krawalle in Südafrika

In den letzten Tagen wurden zwei der wirtschaftlich wichtigsten Provinzen Südafrikas von Unruhen und Krawallen erschüttert. Sie nahmen ihren Anfang nach der Inhaftierung des ehemaligen Präsidenten Zuma, der sich einer Anordnung des Verfassungsgerichts widersetzt hatte, bei einer Untersuchungskommission über Korruption während seiner Amtszeit auszusagen. Die zunächst sporadische Proteste begannen letzte Woche in KwaZulu-Natal, bei denen Zuma-Anhänger:innen seine sofortige Freilassung forderten. Sie blockierten Autobahnen und zündeten Lastwagen an und beschädigten damit die öffentliche Infrastruktur.

Das auslösende Thema um Zuma rückte jedoch sehr schnell in den Hintergrund. Die Ausschreitungen seit Sonntag haben einen ganz anderen Charakter als die am Freitag. Sie begannen, nachdem die Regierung die Verlängerung der strengen Lockdown-Regeln angekündigt hatte, die einige der ärmsten Schichten der Gesellschaft besonders hart getroffen haben. Es sind diese Schichten, die derzeit die Krawalle anführen. Mit der Verschärfung der Regeln reagierte die Regierung auf die verheerende dritte Corona-Welle, ohne begleitende Maßnahmen anzukündigen, die die sozio-ökonomische Folgen auffangen würden. Bei diesen Krawallen und Plünderungen geht es um Hunger. Es sind Verzweiflungstaten, angeheizt durch die schweren Schäden, die die Lockdown-Maßnahmen verursacht haben. Ein junger Mann sagte zu einem Fernsehteam: "Ich mache mir wirklich keine Sorgen um Zuma. Er ist ein korrupter alter Mann, der es verdient, im Gefängnis zu sitzen. Ich nehme Dinge aus dem Laden für meine Mutter mit." Dies repräsentiert den wahren Charakter dieser Proteste und spiegeln das Ausmaß der Armut wider, in der Tausende von Südafrikaner:innen Tag für Tag leben. Die Krise hat die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergrößert und och mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben. Schon vor der Pandemie lebte ein Großteil der südafrikanischen Bevölkerung am Rande des Existenzminimums, ohne Hoffnung, dass sie ihren Lebensstandard würden langfristig verbessern können. Mit Beginn des Lockdowns

Diese Unruhen sind ein Zeichen für den tiefsitzenden Zorn und Ausdruck ohnmächtiger Wut der marginalisierten Menschen und eine Warnung in Richtung der Regierung, sich endlich mit sozio-ökonomischen Problemen des Landes, dem Erbe der Apartheid, auseinander zu setzen. Denn sie werden immer wieder auftreten – in Form von fremdenfeindlichen Ausschreitungen oder Hungerrevolten – wenn die Ursache nicht bearbeitet wird. Zerstörung von Infrastruktur schadet dabei den Betroffenen mehr als den Eliten, die sie treffen soll. Gleichzeitig liefert es dem Staat und den Medien den Vorwand, die Armen zu kriminalisieren. Doch oft bleibt den Menschen nichts als Zerstörung, weil sie kein Gehör finden mit ihren Problemen, weil sich keiner kümmert.