Zwischen Krieg und Frieden. Der Katholikentag 2022 in Stuttgart

Interview mit Boniface Mabanza und Francisco Mari zur aktuellen Ernährungskrise

„Zwischen Krieg und Frieden. Der Katholikentag 2022 in Stuttgart“: So hieß die Sondersendung des ZDF zum Katholikentag 2022, die am 29. Mai 2022 ausgestrahlt wurde. Diskutiert wurden in der Sendung die Themen, die die Menschen auf dem Katholikentag bewegten: die Krise der katholischen Kirche, die Zustimmung zu Waffenlieferungen an die Ukraine und die mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängenden Engpässe an Öl, Gas und Nahrungsmitteln.

Zum letzten Thema wurden Francisco Mari von Brot für die Welt und Boniface Mabanza von der KASA interviewt. Der Austausch, der in der Sendung sehr kurz geschnitten wurde, drehte sich um die Faktoren, die die Abhängigkeit vieler so genannter Entwicklungsländer von Getreideimporten erklären. Die aktuelle Krise offenbart eine Verwundbarkeit, deren Wurzeln in einigen Fällen bis in die Kolonialzeit zurückreichen.

Entscheidend sind jedoch die Strukturanpassungsprogramme der Weltbank und des IWF und die Regeln der Welthandelsorganisation, die Produktionsstrukturen in vielen Teilen der Welt beeinflussen. Einige Regierungen haben die Ideologie verinnerlicht, dass es von Vorteil sei, sich auf Cash Crops für den Export zu konzentrieren und die Nahrungsmittel bei denen zu kaufen, die komparative Kostenvorteile haben. In diesem Zusammenhang sind die subventionierten Getreideexporte aus der EU zu erwähnen. Sie haben dazu beigetragen, die Essgewohnheiten etwa in den urbanen Zentren einiger westafrikanischer Länder so zu verändern, dass der Konsum von Weißbrot auf Kosten lokaler Getreide zum Symbol der Zugehörigkeit zu den „Entwickelten“ wurde. Als Konsequenz stagniert die Produktion lokaler Getreide, wenn sie nicht sogar sinkt. Die Vernachlässigung dessen, was die Menschen in den Ländern konsumieren und selbst produzieren können, ist das, was sich im Kontext der Krise rächt, zumal diese von Nahrungsmittelspekulant:innen ausgenutzt wird.  

Gut durch die Krise kommen dagegen diejenigen Länder, die ihre Abhängigkeit von Weizenimporten reduziert haben oder gar nicht erst abhängig wurden. Deswegen sehen Handelsexpert:innen in Afrika die aktuelle Krise auch als Chance für die Stärkung der Produktion lokaler Getreide. Sie wehren sich gegen diejenigen, die es vielleicht gut meinen, aber die aktuelle Verteuerung von Nahrungsmitteln so deuten, dass durch die Emotionalisierung und Pauschalisierung der drohenden Hungerkatastrophe mittel- und langfristig nur eine Stabilisierung der Abhängigkeiten und der Vulnerabilität resultieren kann.