Die Landfrage im Südlichen Afrika

Die Landfrage ist vor dem Hintergrund kolonialer Landenteignung und Apartheid eines der Schlüsselthemen für die gesamte Region Südliches Afrika. Die willkürlichen und chaotischen Landbesetzungen und -enteignungen in Simbabwe seit dem Jahr 2000 haben diese Frage für die ganze Region zugespitzt und Alarmsignale besonders in die Nachbarländer Namibia und Südafrika gesandt. In diesen beiden Ländern herrscht Einvernehmen darüber, dass die Landfrage ganz oben auf der politischen Agenda steht und neue Lösungen braucht. Nicht zuletzt angesichts der Welternährungskrise und der Notwendigkeit der Gewährleistung der Ernährungssouveränität auf nationaler sowie regionaler Ebene empfiehlt es sich, über die Ressource „Land” grundlegend neu nachzudenken.

In Namibia haben die Gedenkfeiern im Jahr 2004 aus Anlass des Völkermordes an Herero, Nama und Damara durch die deutschen Schutztruppen vor 100 Jahren die Landfrage im Kontext von nationaler Versöhnung wieder in die öffentliche Debatte gerückt. Mittlerweile haben erste Enteignungen stattgefunden und die von der Regierung beauftragte Kommission zur Landreform hat ihre Ergebnisse im November 2005 vorgelegt und damit die Grundlage für eine künftige Landpolitik geschaffen.

In Südafrika haben sich auch nach über zwölf Jahren seit dem offiziellen Ende der Apartheid die Lebensumstände und Besitzverhältnisse der großen Mehrheit der schwarzen Bevölkerung kaum verändert. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, 70 Prozent davon auf dem Land. Der weißen Minderheit gehören noch immer rund 80 Prozent des kultivierbaren Bodens, rund 86 Millionen Hektar befinden sich im Besitz von etwa 55.000 weißen kommerziellen Farmern. Demgegenüber leben 12 Millionen schwarze Bauern auf nur 17 Millionen Hektar mit überwiegend schlechter Bodenqualität.

Statt der versprochenen 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren sind in den letzten zwölf Jahren gerade einmal etwas mehr als 3 Prozent des Bodens an die benachteiligte schwarze Bevölkerung umverteilt worden. Auf dem Landgipfel im Juli 2005 hat die südafrikanische Regierung zum ersten Mal öffentlich eingestanden, dass  die versprochene Landreform bisher gescheitert ist und neue Wege gefunden werden müssen, die über eine reine marktorientierte Umverteilung hinausgehen.