Buchempfehlung: „Building from the Rubble. The Labour Movement in Zimbabwe since 2000“

 „Building from the Rubble. The Labour Movement in Zimbabwe since 2000“, so heißt die vom Dachverband simbabwischer Gewerkschaften (ZCU: Zimbabwe Council of Trade Unions) in Auftrag gegebene und von der Friedrich-Herbert-Stiftung finanzierte Studie zu Gewerkschaften in Simbabwe seit 2000. Verfasst wurde die Studie überwiegend von LIoyd Sachikonye, Brian Raftopoulos und Godfrey Kanyenze. Mit den zwei letzteren hat KASA seit 2008 in unterschiedlichen Zusammenhängen und in den letzten Jahren vor allem im Rahmen der Aktivitäten des europäischen Netzwerkes ZEN (Zimbabwe Europe Network) intensiv gearbeitet.

Obwohl die Überschrift den Zeitraum nach der 2000-Wende vorgibt, rekonstruiert das Buch doch die Geschichte der Gewerkschaften in Simbabwe von der Kolonialzeit bis 2017.  Der Zeitraum zwischen 2000 und 2017 wird darin beschrieben als der stürmischste in der Geschichte Simbabwes seit der Unabhängigkeit 1980. Politisch erlebte das Land in dieser Zeit die Entstehung einer Oppositionspartei (MDC: Movement for Democratic Change). Ökonomisch wurde diese Zeit durch eine bis dahin noch nie da gewesene Wirtschaftskrise mit einer massiven Deindustrialisierung als Folge gekennzeichnet, welche von den Gewerkschaften vor allem als Ergebnis der Umsetzung der Strukturanpassungsprogramme zu Beginn der 90er Jahre angesehen wurde, gegen die sie immer schon mobilisiert hatten. Es ist die Weigerung der ZANU-PF-Regierung, die Proteste der Gewerkschaften gegen die Strukturanpassungsprogramme ernst zu nehmen und vor allem ihren Alternativen dazu eine Chance zu geben, die die Gründung der Partei MDC motivierte. Die ProtagonistInnen wollten sich eine Plattform geben, um ihre Ideen selbst umsetzen zu können. Wie sich diese Partei entwickelte und wie das Mugabe-Regime damit umging, ist mittlerweile bekannt.

Die Wirtschaftskrise konnte trotz der zwischenzeitlichen Beteiligung der Opposition an der Regierung der Nationalen Einheit nicht überwunden werden und ihre Verschlimmerung hat viele strukturelle Veränderungen bewirkt  und darauf konzentriert sich die Analyse in diesem Buch: neue Formen von Arbeit als Ergebnis der Informalisierung der nationalen Ökonomie, die Präkarisierung der Arbeiter, die in formellen Arbeitsverhältnissen geblieben sind, als Folge ausbleibender Löhne und verlorener Ersparnisse und Pensionen während der Zeit der Hyperinflation, die Akzentuierung der Marginalisierung von Frauen und Jugendlichen, etc…All diese Entwicklungen haben Konsequenzen nicht nur auf die Durchschlagkraft und auf die soziale Relevanz von Gewerkschaften, sondern auch auf ihre Überlebensfähigkeit überhaupt.

Im Blick auf die Zukunft empfehlen die Autoren den Gewerkschaften, sich auf ihre soziale Basis zu besinnen, ihre Strukturen von unten neu aufzubauen und Brücken zu neuen sozialen Bewegungen zu wie den ArbeiterInnen in der informellen Ökonomie, Einwohnerverbänden und Sozial-Media-AktivistInnen zu etablieren, um durch diese neuen Allianzen eine ähnliche schlagkräftige nationale Arbeiterbewegung wie in den 1990er Jahren zu starten. Für die Autoren ist diese Bildung neuer Allianzen ein entscheidender Hebel, an dem die Gewerkschaften in der Post-Mugabe-Ära auf allen Ebenen ihrer Handlungsspielräume drehen sollten, um relevant bleiben zu können.

Lloyd Sachikonye, Brian Raftopoulos (2018): Building from the Rubble: The Labour Movement in Zimbabwe Since 2000. Harare, September 2018.