Die EKD und ihr Schuldbekenntnis zu Namibia

EKD und Namibia

Ende April war es soweit: die EKD veröffentlicht ihr Schuldbekenntnis zu Namibia, in dem sie den Völkermord als solchen benennt und sich schuldig bekennt, zwar “nicht selbst direkt zu den Massentötungen aufgerufen [zu haben], dennoch prägte ein tiefsitzender Rassismus, gespeist aus einem kulturellen Überlegenheitsgefühl und einer tief gegründeten Angst um die eigene, möglicherweise gefährdete Identität ihr [der Pfarrer] Denken und vergiftete ihr Reden und Handeln. Dies ist eine große Schuld und durch nichts zu rechtfertigen. Als Nachfolgeinstitution des einstigen Evangelischen Preußischen Oberkirchenrats, der seinerzeit im Auftrag aller deutschen evangelischen Landeskirchen handelte, bekennen wir uns als Evangelische Kirche in Deutschland heute ausdrücklich gegenüber dem gesamten namibischen Volk und vor Gott zu dieser Schuld.“[1]

Das ist ein großer Schritt und wird als solcher auch gewürdigt, unter anderem von dem Lutherischen Weltbund, dessen Präsident Younan bei der 12. Vollversammlung in Windhuk im Mai das Papier begrüßt. Denn die EKD-Erklärung bekenne damit offen, dass die gegen die Herero und Nama ergangenen Vernichtungsbefehle als Völkermord zu bewerten seien.

Warum gerade jetzt?

Aus der Erklärung wird deutlich, wie langwierig dieser Prozess war und dies hat unter anderem damit zu tun, dass die protestantischen Kirchen in Namibia nach wie vor gespalten sind. Erst „2004 schufen die Evangelisch Lutherische Kirche in der Republik Namibia (ELCRN) und die Deutsche Evangelisch Lutherische Kirche [ELKIN (DELK)] unter Leitung der Bischöfe Zephania Kameeta und Reinhard Keding mit dem sogenannten „Bischofskomitee“ eine Plattform, auf deren Grundlage alle gesellschaftlichen Gruppen in Namibia am 12. August der Schlacht am Waterberg und ihrer furchtbaren Konsequenzen gemeinsam gedenken konnten.“

Zwischen 2007 und 2015 leistete sich die EKD einen Studienprozess, der die Rolle der Auslandsarbeit im und die Partnerbeziehungen zum südlichen Afrika von den Anfängen bis in die Apartheidzeit hinein beleuchten sollte. Ein nicht unumstrittener Prozess, der in zwei voluminösen Bänden nachzulesen ist.
„2007 sind wir gestartet und sind erst 2015 zum wissenschaftlichen Abschluss gekommen. Es hat schon Überzeugungsarbeit gebraucht, und es gab auch Widerstand. Aber der ist über die Jahre auch durch die Beschäftigung mit dem Thema abgebaut worden. Jetzt am Schluss waren schließlich alle evangelischen Kirchen und alle evangelischen Missionswerke auch aktiv daran beteiligt und teilen die historischen Erkenntnisse“, resümiert Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. [2]

Doch was ist jetzt das konkrete Ergebnis? Wie soll es weitergehen?

Nach dem Schuldeingeständnis beginnt der Vergebungs- und Versöhnungsprozess. Doch ist das genug? Für Bischöfin Bosse-Huber steht die Entschädigungsfrage überhaupt nicht im Raum: „Das Thema haben wir glücklicherweise nicht, weil es tatsächlich keine historischen Hinweise auf eine Schuld gibt, die eine solche Frage aufwerfen würde. Wenn bei uns Reparationsforderungen im Raume stünden, würde auch die ehrliche Aufarbeitung noch einmal ungleich schwerer werden.“

Zumindest lässt sich die Schuld und die Frage nach Entschädigung nicht aus dem Schuldbekenntnis ableiten, unter anderem aber auch deshalb, weil die Landfrage in keiner Weise behandelt wird.
„Über entscheidende Fragen zu Wiedergutmachung, Reparationen und ungerechter Landverteilung, die schon seit Monaten im Mittelpunkt der Verhandlungen zwischen den politischen Vertretern von Namibia und Deutschland stehen, verliert sie kein Wort,“ so Markus Braun von der MAKSA, die seit Jahren vor allem die Entsendepolitik deutscher Pfarrer nach Namibia kritisieren. [3]

Und dass Land tatsächlich ein Thema ist, wird bei jedem Besuch einer Nama-Gemeinschaft im Süden Namibias überdeutlich. Die Quelle als zentrales kulturelles und historisches Zentrum einer Siedlung wird oft beherrscht von einer Kirche und ist nicht selten eingezäunt. Die Frage, wer Zugang hat, wer Anrecht oder Besitz- und Eigentumsrecht auf das Land hat, wird von der Kirche durchaus anders gesehen als von den dort ansässigen Menschen. Hier ist deutlich mehr an Aufarbeitung und durchaus auch an Reparationsdebatte von Nöten (siehe dazu Artikel „Land und Bildung“). Vielleicht lässt sich dies aber im Sinne von Chief Johannes Isaak aus Berseba eher bilateral lösen:

„Wir müssen einfühlsam miteinander reden, mit einem verständigen Herzen und uns einigen und dann von vorne beginnen.“