Die SADC-Region und die Corona-Pandemie. Ein kurzer Blick auf ausgewählte Länder

Die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) zeigt angesichts der Corona-Pandemie unterschiedliche Gesichter. Die folgenden Zeilen haben nicht den Anspruch, die Situation in allen Ländern der Entwicklungsgemeinschaft abzubilden. Sie beschränken sich auf ein paar Länder, welche aus unterschiedlichen Gründen im Zusammenhang mit COVID-19 zumindest in Afrika für Schlagzeilen gesorgt haben. Während Südafrika mit Abstand das von Corona meist betroffene afrikanische Land ist, sorgen zwei Länder dieser Region für positive Schlagzeilen. Es geht um die beiden Inselstaaten des indischen Ozeans Mauritius und die Seychellen. Der erste hatte 335 Fälle insgesamt, 322 sind genesen, 10 Personen sind im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben. Die drei letzten aktiven Fälle sind aufgetaucht, als sich das Land darauf vorbereitete, sich Corona-frei zu erklären. Diese sehr positive Entwicklung hat die Regierung von Mauritius dazu bewegt, einige Lockerungen vorzunehmen. Nur Schulen und Universitäten bleiben bis August geschlossen.

Die erfreulichste Nachricht kommt von den Nachbarinseln, den Seychellen. Diese dürfen sich nicht nur Corona-frei nennen, sondern auch sich dafür feiern, dass alle elf Personen, die an Corona erkrankten, wieder gesund sind. Seit mehr als drei Wochen wurde kein einziger neuer Fall registriert. Hier freut sich nicht nur die Geschäftswelt über die weitgehenden Lockerungen, sondern auch die Schulen, die seit dem 11. Mai wieder geöffnet sind. Auch der internationale Flughafen ist seit dem 1. Juni wieder aktiv, was auch ein Ende der Reiserestriktionen bedeutet. In diesem Zusammenhang ist auch Namibia erwähnenswert. Das Land registrierte bis jetzt 26 Fälle, von denen 16 wieder genesen sind. Mit nur noch „neun aktiven Fällen“ hat die Regierung einige Lockerungen eingeleitet. Auch hier können Kinder seit Anfang Juni wieder zur Schule gehen.

Ein anderer Inselstaat der SADC macht seit Beginn der Corona-Pandemie viel von sich reden, nämlich Madagaskar. Das Land machte Ende April mit einer offiziellen Ankündigung des Naturheilmittels COVID Organics als Präventions- und Behandlungsmöglichkeit gegen das Virus auf sich aufmerksam. Um dieses Mittel ist ein Streit zwischen Madagaskar und der Weltgesundheitsorganisation entstanden. Die WHO warf der Regierung von Madagaskar vor, die Anwendung des Mittels begonnen zu haben, ohne seine Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft zu haben. Die Regierung von Madagaskar berief sich auf Versuche eigener Wissenschaftler, die angeblich einen überzeugenden Nachweis der Wirksamkeit liefern konnten. Trotz dieser Polemik hat Madagaskar sein COVID Organics an viele afrikanische Länder geliefert. Madagaskar weist leicht steigende Zahlen auf.

Erwähnenswert in der SADC ist auch Tansania. Das ostafrikanische Land machte schon eine Ausnahme, in dem es auf einen strikten Lockdown verzichtete, die binnenafrikanischen Grenzen offen ließ und viele Aktivitäten , die in Nachbarländern verboten wurden, nicht einschränkte. Neue Schlagzeilen macht Tansania aufgrund der Tatsache, dass sich die Corona-Statistiken seit über drei Wochen nicht mehr ändern. Dies hat damit zu tun, dass die Regierung Tansanias scheinbar keine Statistiken mehr kommuniziert, weder an die Weltgesundheitsorganisation noch an die eigene Öffentlichkeit. Mittlerweile haben Schulen und Universitäten auf Anordnung der Regierung ihre Aktivitäten wieder aufgenommen und die Regierung wirbt für die Rückkehr der Tourist*innen, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Einige Botschaften wie die der USA warnen, dass der tansanische Weg in eine Katastrophe führen könnte. Der Haltung der tansanischen Regierung ist eine Polemik um die Zuverlässigkeit des Test Kits vorausgegangen. Diese wurde in Frage gestellt, nachdem der Präsident von Tansania, John Magufuli, behauptet hatte, dass Corona-Tests bei einer Papaya und einer Ziege positiv gewesen seien. Er hatte die Proben entnehmen und menschliche Namen darauf schreiben lassen. Das positive Ergebnis hat seine Zweifel an der Gefahr der Corona-Pandemie bestätigt, die er von Anfang an heruntergespielt hat. Auf jeden Fall kommuniziert die Regierung offensiv, dass Tansania nur noch wenige Corona-Patient*innen hat und dass die in den Krankrenhäusern des Landes freigestellten Betten seit Beginn der Pandemie meistens frei geblieben seien.

Zu Beginn der Corona-Pandemie gab es Befürchtungen, dass diese in ganz Afrika außer Kontrolle geraten könnte. Diese Länderauswahl aus der SADC-Region zeigt, dass die Situation heute unterschiedlich aussieht: Während etwa Namibia und Botswana nach wie vor niedrige Fallzahlen und eine exponentielle Ausbreitung der Pandemie gut zu kontrollieren scheinen, sind die neuen Fälle in Südafrika in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Diese unterschiedlichen Kurven der Pandemie machen die Wiederbelebung des grenzüberschreitenden Personenverkehrs schwierig. Solange die Fallzahlen etwa in Südafrika steigen, erweist sich eine Wiederbelebung der Personenfreizügigkeit als Dilemma für die Region. Einerseits wäre eine Wiedereröffnung der Grenzen nach Südafrika aufgrund der ökonomischen Bedeutung dieses Landes für die ganze Region wichtig, andererseits könnte sich dies negativ auf die Kontrolle der Pandemie in Ländern wie Namibia, Mosambik, Botswana und Simbabwe erweisen. Die Wiedereröffnung der Grenzen für Personen ist deswegen so wichtig, weil die Region einen starken informellen Sektor hat. Für die Händler*innen, die in diesem Sektor arbeiten, bringt der auch unter dem Lockdown geltende freie Warenverkehr nicht viel, solange sie selbst nicht reisen dürfen. Das Dilemma im Umgang mit Südafrika gilt auch für die etwas entfernten Länder wie Mauritius und die Seychellen, für die Tourist*innen aus Südafrika in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben. So gesehen bleibt die Corona-Pandemie eine große soziale, politische und ökonomische Herausforderung für die SADC-Region, auch wenn die Fallzahlen in den meisten Ländern (noch) niedrig sind.