Schulpartnerschaften zwischen Südafrika und Deutschland

Was hat die Mobilitätswende mit dem Südlichen Afrika zu tun? Wie ist das mit dem Anbau von Früchten im Südlichen Afrika, die in unseren Supermärkten landen? Und woher kommen die Bilder in unseren Köpfen, wenn wir allgemein an den Globalen Süden denken? Globale Zusammenhänge sind komplex. Ausbeutung, Folgen des Klimawandels für Menschen im Globalen Süden, Hunger, Vertreibung und Flucht haben viel mit Europa, der globalen Geschichte und unserer heutigen Lebensweise zu tun. Der negative, pessimistische und pauschalisierende Blick auf den afrikanischen Kontinent steht in Europa in einer langen kolonialen Tradition. Er wurde vor und während der Versklavung und in 500 Jahren Kolonialismus aufgebaut und besteht oftmals noch bis heute. Diesen Blick müssen wir verlernen.

Junge Menschen sollen in einer Welt aufwachsen, in der sie keine Vorurteile gegenüber anderen Menschen haben. Sie sollen sich untereinander als gleichwertige Menschen kennenlernen. Schulpartnerschaften bieten hierfür ein enormes Potential. Schüler*innen lernen sich gegenseitig in ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten kennen und entdecken dabei eher Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Die dabei entstehende Empathie ermöglicht es, den afrikanischen Kontinent mit anderen Augen zu sehen. Durch Schulpartnerschaften werden globale Zusammenhänge für junge Menschen greifbar.

Die KASA übernahm im Januar 2019 die Schulpartnerschaftsarbeit des Vereins KOSA e.V. zwischen Schulen in Südafrika und Deutschland, die bereits über Jahre aufgebaut wurde und deren Arbeit viel positive Rückmeldung erhielt. Die KASA begleitet Schulen, die bereits eine (Schul-)Partnerschaft im Südlichen Afrika haben und unterstützt sowohl bei der Suche nach einer Partnerschule in Südafrika, als auch beim Aufbau der Partnerschaft. Dabei werden die Schulen in Südafrika und Deutschland als gleichwertige Partnerinnen betrachtet, die voneinander lernen können. Die KASA führt inhaltliche Seminare für Schüler*innen und Fortbildungen für Lehrer*innen durch, bietet aber auch Informationsgespräche oder individuelle Beratung an Schulen an. Da die KOSA ihren regionalen Fokus innerhalb Deutschlands auf Nordrhein-Westfalen hatte, betreut die KASA die Schulen dort weiterhin, wird aber zukünftig die Schulpartnerschaftsarbeit auf Baden-Württemberg ausweiten.

Im Februar besuchte die KASA das Heinrich-Heine-Gymnasium Mettmann, das Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren und die Gesamtschule Freudenberg in Nordrhein-Westfalen für Informationsgespräche. Alle drei Schulen befinden sich momentan im Aufbau einer Partnerschaft mit Schulen in eMalahleni in der Provinz Mpumalanga. Das Treffen mit verantwortlichen Lehrer*innen bzw. mit der Schulleitung war sehr wertvoll und wichtig, um zu erfahren, wo die Schulen stehen, was in der bisherigen Partnerschaft gut läuft und wo sich die Schulen mehr Unterstützung wünschen.

Die Gesamtschule Freudenberg war bereits mit einem Team von fünf Kolleg*innen zu einem Besuch bei ihrer Partnerschule in eMalahleni. Im Juli werden Kolleg*innen von der Partnerschule zu einem Besuch in Freudenberg sein. Da bei den Schulbesuchen der Wunsch geäußert wurde, ein Vernetzungstreffen mit Schulen zu veranstalten, die ebenfalls im Aufbau einer Partnerschaft oder bereits in einer Schulpartnerschaft im Südlichen Afrika sind, wird dieser Besuch zum Anlass genommen, ein solches Treffen für einen Informations- und Erfahrungsaustausch zu veranstalten. Die Gesamtschule Freudenberg hat am 9. Juli eingeladen, das Vernetzungstreffen in ihrer Schule in Freudenberg stattfinden zu lassen. Es soll den Schulen die Möglichkeit geben, ihre Partnerschaft vorzustellen, über Projektideen zu diskutieren und sich über Erfolge und Schwierigkeiten auszutauschen.

Auf ihrer Dienstreise im März 2019 wird die KASA gemeinsam mit Lucky Maisanye, der die Koordination der Schulpartnerschaften in eMalahleni übernommen hat, die Partnerschulen in und jene, die Interesse daran haben, vor Ort besuchen. Auch wird die KASA und Lucky Maisanye in eMalahleni den Bezirksleiter des Gebietes der Partnerschulen besuchen und ihm sowohl die Schulpartnerschaftsarbeit als auch die KASA vorstellen. Seminare für Schüler*innen und Fortbildungen für Lehrerinnen, die in Deutschland als wichtige Begleitung der Schulpartnerschaft bereits von der KOSA durchgeführt wurden und von der KASA ab diesem Jahr organisiert werden, sollen auch in Südafrika stattfinden. Zur Vorbereitung wird sich die KASA in Johannesburg mit dem Khanya College treffen, die mit ihrer Expertise großes Interesse an der Durchführung in Südafrika haben.

Die Herangehensweise, die globale Geschichte der Versklavung von Menschen des afrikanischen Kontinents in die Amerikas und der Kolonisierung sowohl Lehrer*innen als auch Schüler*innen über alltägliche Themen begreiflich zu machen, ist eine gute Möglichkeit über die Welt, wie sie heute ist, zu sprechen. Der Kolonialismus ist kein altes, abgeschlossenes Thema, sondern in unserem Denken und der Art und Weise, wie wir über Afrika sprechen, verankert. Der eurozentrische Blick und die Geschichte der aktuellen Süd-Nord-Verhältnissen und der bestehenden globalen Machtstrukturen muss im Kontext kolonialer Geschichte gesehen werden. Die KASA möchte dies in der Begleitung der Schulpartnerschaften deutlich machen. Sie hat mit der Schulpartnerschaftsarbeit eine neue Zielgruppe für ihre Inhalte erhalten. Dies ist eine Chance, junge Menschen darin zu begleiten, die dominante Sichtweise auf die Welt als gegebene Norm zu hinterfragen.