Vernetzungstreffen der AG Decolonize in Berlin

Am 17. und 18. November fand in Berlin ein bundesweites Vernetzungstreffen von Initiativen und Gruppen statt, die sich für eine kritische Auseinandersetzung der kolonialen Vergangenheit und Kontinuität einsetzen. Diese Vernetzung ist wichtig, um voneinander zu wissen, zu lernen, Kooperationen aufzubauen und durch die Zusammenarbeit die eigenen Ziele stärker zu verbreiten. So war neben methodischen Workshops (zu Wissensvermittlung/Bildungsmaterialen, Museen, Straßenumbenennungen und postkolonialen Bündnissen/Kooperationen) Zeit dafür vorgesehen, uns untereinander die eigene Arbeit vorzustellen.

Am Abend des ersten Tages fand eine Podiumsdiskussion statt, bei der Schwarze Menschen, People of Color und People of African Descent über ihre Erfahrungen und Einschätzungen der aktuellen politischen Lage sprachen: Auf der einen Seite sei bisher nicht viel passiert hinsichtlich einer rassismuskritischen Auseinandersetzung der weißen Mehrheitsgesellschaft. Auf der anderen Seite werde in politisch weiß verorteten Gruppen nach und nach ein postkolonialer Blick aufgenommen, weiße Menschen fangen an, über ihre eigenen Verstrickungen in einer ungleichen Welt nachzudenken. Dies sei eine gute Entwicklung, so eine zentrale Aussage in der Debatte. Das muss mit einer permanenten Selbstreflexion verknüpft sein: Was ist meine Motivation als weiß positionierte Frau im Bereich des Postkolonialismus zu arbeiten? Von den Menschen auf dem Podium wurde eine solidarische Unterstützungsarbeit und Zusammenarbeit gefordert. Dafür muss ich mir über meine eigenen Privilegien bewusst sein.

Am zweiten Tag wurde eine Resolution beschlossen, die am 25. November 2018 veröffentlicht wurde – dem Tag, an dem sich das Ende des deutschen Kolonialismus zum 100. Mal jährte. Auch die KASA ist Mitunterzeichnerin und fordert somit eine Dekolonisierung der dominanten Erinnerungskultur.[1] Dazu gehört unter anderem eine offizielle Entschuldigung des Bundestags und der Bundesregierung an die Nachfahren der Herero und Nama, die Opfer des Genozids von 1904 bis 1908 wurden. Des Weiteren soll die vernachlässigte Provenienzforschung von Kulturgütern, die aus kolonialen Kontexten in deutsche Museen kamen, vorangetrieben werden. Dies bedeutet, dass die Geschichten, wie Objekte in Museen kamen, aufgeklärt und online zugängig gemacht werden müssen. Damit sollen deutsche Institutionen Herkunftsgesellschaften aktiv informieren und ihnen die Rückgabe der Kulturgüter anbieten. Des Weiteren soll in schulischer und außerschulischer Bildung eine kritische Auseinandersetzung mit deutschen Kolonialismus und dem bis heute bestehenden strukturellen und institutionellen Rassismus sowie eine Würdigung des antikolonialen Widerstands stattfinden. Wie eine Dekolonisierung der Erinnerungskultur konkret aussieht, muss gemeinsam mit Nachfahren Kolonisierter und in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen erarbeitet und umgesetzt werden. Damit wollen wir einen Lernprozess voranbringen, indem wir die Hinterlassenschaften des Kolonialismus wahrnehmen, ohne die kolonialrassistischen Botschaften zu übernehmen.

In Zukunft wird sich die AG regelmäßig treffen, bundesweit austauchen und zusammenarbeiten. In dem Netzwerk können Informationen und Bildungsmaterialien für Projekttage und Projektwochen geteilt sowie eine Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen mit beispielsweise Universitäten vorangebracht werden.

 

 


[1]https://www.kasa.de/aktuell/detail/erklaerung-des-bundesweiten-netzwerks-zur-dekolonisierung-der-erinnerungskultur/