Entschädigung & Wiedergutmachung im Südlichen Afrika

Obwohl Südafrika mit der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) weltweit Aufsehen erregt und neue Standards gesetzt hat, ist dieses Kapitel für die meisten SüdafrikanerInnen noch nicht abgeschlossen. Nur ein kleiner Teil der Opfer des Unrechtssystems Apartheid hat eine Entschädigung erhalten, viele Täter – darunter auch internationale Unternehmen – haben sich der Verantwortung entzogen und profitieren von dem neoliberalen System, dem sich Südafrika bereits 1996 angeschlossen hatte. Die bisher benachteiligten Bevölkerungsschichten, die mit persönlichen psychischen und physischen Verletzungen ebenso leben müssen wie mit zerstörten Gemeinschaften, zerrütteten Familien, Gewalt und HIV/AIDS, haben wenig Möglichkeiten, an den Früchten der Demokratie und Freiheit teilzuhaben.

Im Bereich der Entschädigung und Wiedergutmachung unterstützt KASA seit 2002 mit Lobby- und Kampagnenarbeit die Opferorganisation Khulumani Support Group, zunächst in der Klage gegen internationale Unternehmen wegen Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen während der Apartheidzeit.

Mit dem Massaker von Marikana 2012, bei dem 34 Minenarbeiter von der Polizei erschossen wurden, begann die intensive Beschäftigung mit dem Bergbausektor, der Perpetuierung von menschenrechtlich bedenklichen Lebensstandards der Branche sowie der Lieferkettenverantwortung transnationaler Konzerne.

Die Arbeit der Khulumani Support Group mit den Witwen und Hinterbliebenen des Massakers führte zu einer ersten Ausstellung in Deutschland. Daraus entwickelte sich eine internationale Kampagne zunächst gegen den Hauptabnehmer des in der Mine von Marikana geförderten Platins, BASF. Mit der Beteiligung an der Aktionärsversammlung der Minengesellschaft LONMIN weitete sich die Kampagne auch auf diesen Konzern aus.

Das Netzwerk „Plough back the fruits“, das die Kampagne koordiniert, fordert beide Unternehmen auf, unverzüglich und in konkreter und strukturell nachhaltiger Form zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen beizutragen sowie einen Beitrag zu einem Solidaritätsfonds für die durch das Massaker geschädigten Personengruppen zu leisten. Im Zentrum der Kampagne steht eine einfache Frage: Wie und warum ist es möglich, dass jene ArbeiterInnen, die eines der wertvollsten Metalle der Welt aus dem Boden holen, weiterhin  unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben müssen?

Simone Knapp, im Mai 2017

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