Die Landfrage im Südlichen Afrika

Die Landfrage ist vor dem Hintergrund kolonialer Landenteignung und Apartheid eines der Schlüsselthemen für die gesamte Region Südliches Afrika. Die willkürlichen und chaotischen Landbesetzungen und -enteignungen in Simbabwe seit dem Jahr 2000 haben diese Frage für die ganze Region zugespitzt und Alarmsignale besonders in die Nachbarländer Namibia und Südafrika gesandt. In diesen beiden Ländern herrscht Einvernehmen darüber, dass die Landfrage ganz oben auf der politischen Agenda steht und neue Lösungen braucht. | Weiterlesen

FarmarbeiterInnen in der Weinbaubranche Südafrikas

In all den Diskussionen, die um die Landfrage geführt werden, findet die Situation der FarmarbeiterInnen nur wenig Beachtung. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren meist illegal ihre Wohnorte und Lebensgrundlagen verloren. Auf manchen Farmen herrschen nach wie vor sklavenähnliche Verhältnisse. Auch der Streik der FarmarbeiterInnen im Jahr 2012, der im Postapartheid Südafrika zum ersten Mal öffentlichkeitswirksam auf deren Situation aufmerksam machte, hat deren Lage nicht wirklich verbessert. Aufgrund von bürokratischen und logistischen Hürden haben FarmarbeiterInnen keinen Zugang zu den ihnen in der Verfassung garantierten Rechte. Darüber hinaus sind die existierenden Gewerkschaften schlecht aufgestellt und kaum in der Lage, effektive Lobbyarbeit für FarmarbeiterInnen zu machen. Hier besteht enormer Handlungsbedarf, der letztendlich die Frage nach Selbstbestimmung, Landrechte und Ernährungssicherheit stellt.

Deutschland ist für den Export südafrikanischen Weins der zweitwichtigste Handelspartner hinter Großbritannien. Die Hälfte davon wird in Supermarktketten oder Discountern zu günstigen Preisen angeboten, die innerhalb der Lieferkette einen enormen Druck auslösen, den am Ende die ArbeiterInnen auf den Feldern mit unter dem Existenzminimum liegenden Löhnen bezahlen. Auf der anderen Seite versprechen Labels wie Fair Trade oder Fair for Life, dass sie den ProduzentInnen faire Preise bezahlen, damit diese ihre Angestellten fair entlohnen können. Welche Fragen sich hier jeweils auftun und welche Handlungsoptionen oder Kampagnen daraus entstehen können, soll mit dieser Fokussierung und Konkretisierung der Landfrage erarbeitet werden.

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Our Land, Our Life, Our Future: Wanderausstellung über ländliche Armut und Landrechte in Südafrika

Seit dem ersten öffentlichen Auftreten des Landless People's Movement auf der Anti-Rassismuskonferenz der Vereinten Nationen in Durban und dem Marsch der Landlosen beim Umweltgipfel 2002 in Johannesburg ist auch neue Bewegung unter den ländlichen Basisorganisationen entstanden. Die von der südafrikanischen Koalition ländlicher Entwicklungsorganisationen TCOE (Trust for Community Outreach and Education) konzipierte Wanderausstellung „Our Land ... Our Life .... Our Future” ist Teil dieser neuen zivilgesellschaftlichen Mobilisierung.

Die Ausstellung zeigt in eindrücklichen Bildern südafrikanischer Fotografen die vielfältigen Facetten des Lebens in den ländlichen Gebieten Südafrikas. TCOE will damit die öffentliche Debatte über Ansätze einer veränderten Landreform anregen, die südafrikanische Regierung unter Druck setzen und in Zusammenarbeit mit engagierten Basisorganisationen alternative Lösungen in der Landfrage entwickeln.

Die Wanderausstellung kann von lokalen Gruppen, Schulen, Volkshochschulen, Kirchengemeinden u.a. über die KASA ausgeliehen werden.

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Land matters: Dokumentarfilm von Thorsten Schütte

Der Film von Thorsten Schütte erzählt die Geschichte einer namibischen Farmgemeinde im Wandel. Er thematisiert Landrecht und Landnutzung, Rassen- und Klassenbegriffe ebenso wie die sich verändernden Besitzverhältnisse im ländlichen Namibia. Er entstand in Zusammenarbeit mit Entwicklungsorganisationen und Stiftungen hier in Deutschland und mit dem Legal Assistance Centre in Windhuk, einer langjährigen Partnerorganisation der KASA.

Der Film löste wegen seiner eher ahistorischen Konzeption sowohl in Deutschland als auch in Namibia eine kontrovers geführte Diskussion aus. Gerade in Namibia war das Teil des Konzepts, um überhaupt eine Diskussion über die Landfrage in Gang zu bringen. Die Ergebnisse dieser Diskussionen mit Farmarbeiter- und Farmer-Verbänden, mit Studierenden und in der breiten Öffentlichkeit werden als Ergänzung zum Film in einem Sammelband veröffentlicht.

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